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Individuelle psychische Gewalt

Was versteht man unter psychischer Gewalt?

Die Dublin-Studie der europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Dublin-Stiftung) verwendet folgende angepasste WHO Definition für die psychische Gewalt  (Di Martino V, Hoel H, Cooper CL: Preventing violence and harassment in the workplace, European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, Seite 4) https://www.eurofound.europa.eu/pubdocs/2002/109/en/1/ef02109en.pdf

Definition der psychischen Gewalt

  • Absichtliche Anwendung von Macht gegen eine andere Person oder Gruppe, aus der eine Schädigung in der körperlichen, geistigen, seelischen, moralischen oder sozialen Entwicklung resultieren kann.

Was versteht man unter „Individueller Gewalt“?

Die individuelle Gewalt (= interpersonelle Gewalt) besagt, dass Gewalt von Personen gegen Personen ausgeübt wird, also von Individuum zu Individuum. Die Unterteilung dieser individuellen Gewalt umfasst laut WHO drei Formen. Diese beschreiben die Art der „Tatwaffe“, nämlich „körperlich“, „sexuell“ oder „psychisch“.

Der Einsatz aller drei Tatwaffen lässt keine gravierenden Unterschiede bei den gesundheitlichen Folgen dieser drei individuellen Gewaltformen erkennen:

  • Körperliche Gewalt schädigt primär den Körper und sekundär die Psyche und kann körperliche  und psychische Folgen haben
  • Sexuelle Gewalt schädigt zeitgleich den Körper und die Psyche und hinterlässt meist schwere psychische Folgen
  • psychische Gewalt schädigt primär die Psyche und kann psychische und körperliche Folgen unterschiedlichen Schweregrads haben.

Alle drei Gewaltformen gehen ausnahmslos mit einer Schädigung der Psyche einher. Das Ausmaß der Schädigung ist abhängig von der Intensität und der Häufigkeit, sowie die Länge des Zeitraums der Gewalthandlungen. Entscheidend ist also das Ausmaß der Fremdbestimmung, die ein Opfer in seiner Selbstbestimmung beeinträchtigt.

Da Körper und Psyche eines jeden Menschen eine untrennbare Einheit bildet, stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Sinn macht, diese drei Formen der Gewalt zu unterscheiden oder ob es sinnvoller ist, die gesundheitlichen Auswirkungen von Gewalthandlungen in den Fokus zu rücken? Dies ist bisher nur in Bezug auf die körperliche Gewalt und die sexuelle Gewalt der Fall.

So sanktioniert der Gesetzgeber die körperliche Gewalt nach Schweregraden von leichter bis schwerer Körperverletzung. Sanktionen der sexuellen Gewalt werden zur Zeit in kleinen Schritten immer weiter verschärft (Vergewaltigung in der Ehe, Missbrauch von Kindern), welche weniger die körperlichen, sondern zunehmend die meist schweren psychischen Folgen berücksichtigen.

Gegenwärtig gibt es in Deutschland die absurde Situation, dass Formen leichter psychischer Gewalt strafrechtlich sanktioniert werden (z. B. Beleidigung und üble Nachrede) und schwerste psychische Gewalt bis hin zum Psychoterror und Suizid, wie z. B. bei Mobbing und häuslicher psychischer Gewalt, straflos bleibt.

Der Gesetzgeber, der bisher die psychische Gewalt strafrechtlich nicht sanktioniert, ignoriert dabei die eklatante Diskrepanz zu körperlichen und sexuellen Gewaltakten. Die Einstufung der psychischen Gewalt als nicht strafwürdige Tat verletzt das Rechtsempfinden jedes Menschen und ist daher nicht hinnehmbar. Bei gleich schweren gesundheitlichen Schädigungen müssen alle Krankheiten verursachenden Gewaltakte gleichermaßen sanktioniert werden.

Der Ungleichbehandlung von Gewaltopfern liegt folglich ein massiver Konflikt zwischen dem Gesetzgeber und der Bevölkerung zugrunde, die seit vielen Jahren eine Bestrafung von denjenigen Tätern fordert, die psychische Gewalt ausüben. Wie kommt es zu diesem Konflikt und warum wird dieser Konflikt nicht gelöst? Das bedarf einer Konfliktanalyse, die juristische, psychodynamische, wirtschaftliche und politische Anteile beleuchtet und interpretiert.

 

Mobbing, eine kumulative traumatische Belastung

  1. Mobbing, Hilflose Helfer in Diagnostik und Therapie, in: DÄB 98 (2001), Heft 27: A 1811-1813, https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=27942

  2. Das Mobbingsyndrom: Diagnostik, Therapie und Begutachtung im Kontext zur in Deutschland ubiquitär praktizierten psychischen Gewalt
    Bochumer Universitätsverlag 2012, ISBN-13: 978-3-89966-514-7

Mobbingdiagnostik und Mobbingbewältigung in der Medizin

  1. Das Mobbingsyndrom, eine eigenständige Diagnose? Manuskript 2001

  2. Psychotherapie von Mobbingopfern – formale und inhaltliche Probleme erschweren eine adäquate Therapie, Manuskript, 2010

  3. Problematik der Begutachtung von Mobbingopfern

  4. Mobbing: Klassifikation des Erkrankungsverlaufs, in: Neurotransmitter 11/2006: 22 https://www.bvdn.de/images/neurotransmitter/2006/112006_NeuroTransmitter.pdf

  5. Grünes Licht für Mobbing – zum Suizid provozierende Traumatisierungsurteile, Manuskript, 2005

  6. Mobbing von betrieblichen Mobbingopfern durch die AOK und den MDK Nürnberg, unveröffentlichtes Manuskript (wortgleich mit einer Beschwerde an den Datenschutzbeauftragten), 2007

  7. Verworrene Diagnostik bei Patienten mit Mobbing- und Stalking-Syndrom – kumulative traumatische Belastungsstörung, in: Neurotransmitter 12/2013: 43-45 https://www.bvdn.de/images/neurotransmitter/2013/122013_NeuroTransmitter.pdf

  8. Große Patientengruppe unauffindbar, in: DÄB 111 (2014), Heft 27-28: C 489, https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=160938

  9. Große Patientengruppe unauffindbar, Large Group of Patients Cannot Be Found, Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 489; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0489b, https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=160938

  10. DIMDI Änderungsvorschlag für die ICD-10-GM 2019 Aufnahme ICD-Nr. F43.3 Kumulative Traumatische Belastungsstörung inkl. Mobbingsyndrom https://www.dimdi.de/dynamic/.downloads/klassifikationen/icd-10-gm/vorschlaege/vorschlaege2019/009-icd2019-mobbingsyndrom.pdf

Psychische Gewalt im Berufs- und Privatleben

  • Psychische Gewalt im Berufs- und Privatleben: Ursache des Anstiegs von Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung aufgrund psychischer Erkrankungen, Europäischer Universitätsverlag 2018, ISBN-13: 978-3-86515-075-2