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Gesundheit von Ärzten: Suizidalität, kumulative Traumatisierung mit Depression, Angst und Burn-out

Die Suizidalität und vollendete Suizide sind in der Regel die Folge einer subjektiv erlebten ausweglosen Situation. Dies können schicksalshafte Lebensereignisse sein, wie z. B. eine unheilbare körperliche Erkrankung (z. B. chronische Schmerzen, schwere Behinderungen usw.) oder seelische Erkrankung (z. B. Schizophrenien). Die weitaus überwiegenden Ursachen einer Suizidalität sind jedoch zwischenmenschliche Konflikte, die mit Angst, Depression und Aggression einhergehen. Dies trifft auch bei körperlichen Erkrankungen zu, wenn z. B. Heimeinweisungen drohen oder Schuldgefühle im Rahmen einer Überbeanspruchung von Familienangehörigen bestehen.

Nahezu allen suizidalen Handlungen liegt nach den Suizidforschern Stengel und Ringel ein präsuizidales Syndrom zugrunde, welches folgende drei Kennzeichen hat:

1. eingeengtes Denken betreffend den zugrundeliegenden Konflikt, egal ob körperlich oder seelisch

2. Aggressionsumkehr

3. Suizidgedanken

Versteht man die Depression und Angst als eine unterdrückte Aggression gegen den oder die Beteiligten des zwischenmenschlichen Konflikts, dann werden diese Beteiligten als so übermächtig erlebt, dass eine Aggressionsabfuhr gegen diese ausgeschlossen ist. Die sich so immer weiter aufbauende Aggression verflüchtigt sich bei weiterhin bestehendem Konflikt nicht, sondern engt zunächst das Denken so ein, dass keine Lösung dieses Zentralkonflikts erkannt werden kann. Die subjektive Aussichtslosigkeit einer Konfliktlösung verstärkt das Aggressionspotential, das sich nun gegen den Betreffenden selbst wendet. Diese Aggressionsumkehr äußert sich nun in Form von Suizidgedanken, Suizidversuch und im schlimmsten Fall eines Suizids.

Kann bereits eine subjektive Aussichtslosigkeit in einer Suizidalität enden, dann wird umso verständlicher, dass Betroffene, die auch eine objektiv ausweglose Situation, z.B. in Form eines Psychoterrors erleben, so häufig suizidal werden und sich vollendet, wie bei Mobbing, suizidieren.

Durch die Dissertation über den Selbstmord von Ärzten mit der Psychodynamik der Suizidalität konfrontiert, war es sodann keine Überraschung, dass 30 Jahre nach der Dissertation in einer Befragung von 72 Ärzten, welche einer massive strukturellen Gewalt ausgesetzt waren, 29 eine Suizidalität bestätigten. Die Verbreitung dieses Ergebnisses stufte die AOK als Versursacher der strukturellen Gewalt in der Tageszeitung "Fränkischer Tag" im "Thema des Tages" am 5. Januar 2008 als "unanständig" ein. In der Dissertation selbst konnten jedoch keine Elemente einer psychischen Gewalt untersucht werden, da es sich um vollendete Suizide handelte, deren Ursachen nicht von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen erfasst wurden. Die folgenden drei Studien liefern einen Einblick in die Gesundheit von Ärzten in Verbindung mit der Suizidalität.

 

Über den Selbstmord von 119 Ärzten, Ärztinnen, Zahnärzten und Zahnärztinnen in Oberbayern von 1963 bis 1978 [PDF] (Dissertation; auch veröffentlicht in: Crisis 5/2 (1984), 91-107)

Suicidhäufigkeit bei Ärzten und Zahnärzten in Oberbayern [springer.com] (1986 erschienen in: Social Psychiatry 21: 39-48)

Arzneimittelregresse machen Ärzte krank – eine Studie über 72 betroffene Ärzte [bvdn.de, PDF] (11/2008 erschienen in: Neurotransmitter: 10-16)